Unser Garten

Der Garten von Rosa und Gerhard Obermayr

Süßdolde (Myrrhis odorata [L.] Scop.)

Die Süßdolde hat heute nur noch geringe Bedeutung in der Küche. Wegen ihrer großen Kältetoleranz bietet sie vor allem den Bewohnern Skandinaviens die Möglichkeit, fast über das ganze Jahr auf ein wohlriechendes Küchenkraut zurückgreifen zu können, sogar in so kalten Gegenden wie Island und den Färöer-Inseln (Føroyar).

Wegen ihres süßen Geruches ist die Pflanze ein brauchbarer Ersatz für Anis, Fenchel oder sogar Lakritze; man kann Süßdoldenblätter auch statt Kerbel zum Garnieren verwenden, obwohl die Pflanze wegen ihres dominanteren Geschmackes hier gewöhnungsbedürftig ist. Wer den lakritzeähnlichen Geschmack schätzt, der wird Süßdolde gerne mit den fines herbes (siehe Schnittlauch) kombinieren.

In Skandinavien verwendet man die Pflanze besonders gerne zum Würzen von Kompotten, wobei die Samen und Stengel wegen ihrer natürlichen Süße auch den Zuckerverbrauch senken.

Die Blätter werden zumeist frisch verwendet. Die Früchte kann man als guten Ersatz für Anis gebrauchen; ihr Geschmack ist am stärksten, wenn sie noch nicht ganz reif sind.

Den Samen und Blättern verschiedener Gewürzpflanzen aus der Familie der Doldenblütengewächse ist ein süßlicher Geschmack eigen, der grob mit „anisartig“ beschrieben werden kann. Am deutlichsten ist dieser Eindruck bei der Süßdolde ausgeprägt, doch steht ihr der Anis als bekanntester Vertreter der Gruppe nicht weit nach; etwas weniger rein im Geschmack ist dann der Fenchel. Kerbel kombiniert Anisaroma mit petersilienartiger Frische. Nur noch entfernt anisartig riecht Dill, der schon etwas an Kümmel erinnert.

Anisaroma kommt aber auch bei botanisch nicht verwandten Arten vor. Am bekanntesten sind Sternanis und Süßholz, weiters gewisse thailändische Basilikumsorten und Estragon bzw. Winterestragon. Weniger bekannte Gewürze mit Anisduft sind dagegen der mexicanische Blattpfeffer sowie einige fernöstliche Verwandte des Szechuanpfeffers.

Die Süßdolde enthält ein ätherisches Öl, das reich an den Phenylpropanen Anethol (85%) und Methylchavicol ist.

Die Pflanze ist westeuropäischer Herkunft. Als Gartenpflanze wird sie heute vor allem in Skandinavien gezogen.

Namen wie Süßdolde oder Myrrhenkerbel beziehen sich auf den starken Geruch und Geschmack; den Namen Spanischer Kerbel kann ich nicht erklären, weil die Pflanze aus Nordeuropa stammt. Englisch cicely geht auf den obskuren griechischen Pflanzennamen siseli [σισελι] zurück.

Der Gattungsname Myrrhis leitet sich von einen ebenfalls nicht geklärten griechischn Pflanzennamen myrrhis [μυρρίς] ab. Dasselbe Wort bezeichnete auch ein wohlriechendes Salböl westasiatischer Herkunft und ist möglicherweise mit myron [μύρον] „Wohlgeruch“ verwandt (siehe auch Muskatnuß). Lateinisch odoratus bedeutet „duftend“.

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