Unser Garten

Der Garten von Rosa und Gerhard Obermayr

Weinraute (Ruta graveolens L.)

Die Weinraute stammt aus dem Mittelmeerraum oder aus Westasien.

Die Bedeutung des Namens lateinischen Pflanzennamens ruta beziehungsweise seines griechischen Pendents rhyteé ist unklar; das Wort ist aber weder mit deutsch Raute "Rhombus, Viereck mit vier gleich langen Seiten" noch mit Rute "Gerte, Züchtigungswerkzeug" verwandt.

Der Artname graveolens, den die Weinraute mit einigen anderen aromatischen Pflanzen (Sellerie, Dill) teilt, bedeutet "stark riechend": Lateinisch gravis "schwer" und olens Partizip Präsens zu olere "riechen".

Die Weinraute ist eine jener Gewürzpflanzen, deren ausgeprägt bitterer Geschmack einer weiteren Verbreitung im Wege steht; siehe auch Bockshornklee zu diesem Thema. Die Weinraute wird als Küchenkraut im Neuen Testament genannt, und auch die alten Römer schätzten ihren bitter-aromatischen Geschmack, andererseits galt aber ihre Bitterkeit als sprichwörtlich. Diese ambivalente Haltung zur Weinraute wich allerdings in den letzten zweitausend Jahren einer heute fast universellen Ablehnung.

Neben gelegentlicher Verwendung in Italien scheint die Weinraute heute nur noch in Äthiopien populär zu sein, wo sie gelegentlich als Bestandteil der scharfen Gewürzmischung berebere genannt wird. Neben den Blättern verwendet man in Äthiopien einzigartigerweise auch die noch intensiver und etwas scharf schmeckenden Früchte.

Der Geruch der Weinraute ist stark und eigenwillig, aromatisch-süßlich und kann mit keinem anderen Gewürz verglichen werden; der Geschmack ist ziemlich bitter. Die Rautenfrüchte schmecken ähnlich, aber stärker und etwas brennend.

Die Weinraute enthält max. 1% eines ätherischen Öles, dessen Hauptbestandteile 2-Hendecanon (2-Undecanon, Methylnonylketon, "Rautenketon", bis zu 60%) und 2-Nonanon (Methylheptylketon) sind; weiters werden Anetholglycol und Methylanthranilat angegeben. Terpenderivate sind durch Limonen, Cuminaldehyd, ?-Pinen und 1,8-Cineol vertreten.

Für den bitteren Geschmack verantwortlich ist das Rutin (7 bis 8% in der getrockneten Pflanze), ein polyphenolisches Flavolonglycosid mit dem Disaccharid Rutinose. Rutin ist auch in Kapern, Wasserpfeffer und Orangenschalen enthalten.

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