Unser Garten

Der Garten von Rosa und Gerhard Obermayr

Zitronenmelisse (Melissa officinalis L.)

Der lateinische Name melissa ist eine mittelalterliche Neubildung aus dem griechischen melisso-phyllon [μελισσο-φύλλον] „Bienenblatt“, weil Melisse wegen ihres Nektarreichtums eine geschätzte Trachtpflanze ist (vgl. dazu auch die englische Bezeichnung bee balm „Bienenbalsam“ für Monarda didyma). Dieser Name ist mit lateinisch mel „Honig“ und auch mit Marmelade verwandt.

 

Auch der bulgarische Name matochina [маточина] beziehen sich auf die Beliebtheit der Melisse bei Bienen: Bulgarisch matitsa [матица] „Bienenkönigin“, bgeleitet von gemeinslavisch mat' „Mutter“ (in modernem Bulgarisch majka [майка]). Vergleichbar sind tschechisch meduňka, slowakisch medovka und kroatisch matičnjak. Auch der zweite bulgarische Name pcheliak [пчеляк] bezieht sich auf den Wert der Melissa als Trachtpflanze: pchela [пчела] „Biene“.

Das englische balm ist eine gekürzte Form von balsam und vom lateinischen balsamum „Balsambaum; Harz des Balsambaumes“ abgeleitet. Letztlich liegt der Ursprung des Wortes im Hebräischen: boshem [בשם] bezeichnet nicht nur den Balsambaum (Commiphora opobalsamum syn. Amyris opobalsamum, Burseraceae/Rutales) und sein Harz, sondern heißt auch allgemein „Wohlgeruch; Gewürz“.

Das schwedische hjärtansfröjd enthält hjaertan „Herz“ und fröjd „Freude“, was sich wahrscheinlich weniger auf den angenehmen Geruch als auf die volksmedizinische Verwendung bei nervösen Herzleiden bezieht; gleichartig ist auch der deutsche Volksname Herztrost aufzufassen.

Der Name Monarde erinnert an Nicholas Monardus, einen spanischen Botaniker (1493–1588).

Melissenblätter enthalten nicht mehr als 0.1% ätherisches Öl, das von komplexer und variabler Zusammensetzung ist. Bisher wurden über 50 Aromakomponenten identifiziert, worunter Citronellal (und zwar das (R)-Enantiomer, siehe auch Kaffernlimette), β-Caryophyllen, Nereal, Geranial, Citronellol und Geraniol mit zusammen etwa 70% die wichtigsten sind. Melissenöl ist dem des Zitronengrases recht ähnlich, kann aber durch ein typisches Muster an chiralen Verbindungen unterschieden werden; so dient das Vorkommen von enantiomerenreinem (+)-(R)-Methylcitronellat als Indikator für echtes Melissenöl. Die beiden Öle können auch durch genaue Messung des 13-C-Gehaltes (isotope ratio mass spectrometry, IRMS) unterschieden werden.

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